DVM K.-H. Schulz, Schweinegesundheitsdienst der Tierseuchenkasse von Mecklenburg-Vorpommern
Leptospirose
– Renaissance
einer schon fast in Vergessenheit geratenen Infektionskrankheit der Schweine?!
War
es in den vergangenen Jahren ziemlich ruhig um die Leptospirose, so ist allein
in den zurückliegenden 3 Monaten in Mecklenburg /Vorpommern der klinische
Ausbruch einer Leptospireninfektion in sechs Ferkel erzeugenden Betrieben
bekannt geworden.
Sicherlich
spielt die im letzten Jahr überproportional angestiegene Mäusepopulation
(bestätigt und beobachtet durch mehrere Landwirte) und das Zurückziehen der
Mäuse in die Ställe die wesentliche Rolle für das Infektionsgeschehen, gelten
doch Brandmäuse als Erregerreservoir für Leptospiren. Gleichfalls war bei allen
sechs Ausbrüchen ein zeitlicher Kontakt der Sauen mit Stroh gegeben, welches
über den Urin der Mäuse kontaminiert sein könnte.
Die
Leptospirose ist eine fieberhafte, akut bis chronisch , häufig klinisch
unauffällig verlaufende Infektionskrankheit der Tiere und Menschen, die mit
Aborten, Blutharnen, Anämien und Ikterus (Gelbsucht) einhergeht.
Die
Schweineleptospirose verursacht durch Aborte und Neugeborenenverluste
beträchtliche ökonomische Schäden.
Von
den zahlreichen Leptospirenarten werden beim Schwein vor allem Leptospira (L.)
pomona und in gewissem Maße L. tarassovi, L. bratislava und L. grippotyphosa
nachgewiesen. Hauptansteckungsquelle sind Erreger, die mit dem Harn infizierter
Schweine ausgeschieden werden und sich in feuchter Umgebung bis zu 10 Tagen
halten können. Eine besondere Bedeutung als Infektionsquelle besitzen die
Schadnager, hier insbesondere die Mäuse. Infektionen anlässlich des Deckaktes
erfolgen wahrscheinlich durch Kontakt mit infiziertem Harn und können ohne
Einfluss auf Konzeption und Trächtigkeit ablaufen.
Die
Erreger dringen über die Schleimhäute der Augen, der Verdauungs- und
Geschlechtswege sowie über Hautverletzungen in den Organismus ein. Nach
Eindringen durch die Schleimhaut kommt es nach 1-2 Wochen zu einer massiven
Vermehrung der Leptospiren im Blut
(Bakteriämie), die von 1 bis 2 Tagen Fieber mit Appetitlosigkeit und Diarrhoe (meist nicht erkannt) begleitet sein kann und innerhalb einer Woche zur
Antikörperbildung führt.
Die
Ausbreitung im Bestand erfolgt langsam, besonders wenn oraler Kontakt mit Harn
bei den tragenden Tieren nicht möglich ist. Danach finden sich die Erreger nur
noch in den Nieren und können über Wochen oder sogar Jahre hinweg mit dem Harn
ausgeschieden werden.
In
Abhängigkeit von den krankmachenden Eigenschaften der Leptospiren können ein
Abort oder termingerechte Geburt mumifizierter und lebensschwacher aber auch
teilweise gesunder Ferkel als Folge einer Infektion auftreten. In der Regel
vergehen zwischen der Infektion und dem Abort 2 bis 4 Wochen. An den
abortierten Feten fallen eine blutig – sulzige Unterhaut und die Ansammlung
braunroter Flüssigkeit in den Körperhöhlen auf.
Die
Behandlung mit Dihydrostreptomycin und/oder Tetracyclin eliminieren die
Ausscheidung des Erregers über die Nieren und erreichen auch die Feten.
Wird
die Behandlung aller Tiere des Bestandes verbunden mit der gleichzeitigen
Reinigung und Desinfektion des gesamten Stalles, dann müsste hierdurch, in
Verbindung mit einer effektiven Schadnagerbekämpfung, auch eine
Bestandssanierung erreichbar sein.
Der
Erfolg wäre durch die serologische Kontrolle der danach aufgezogenen Jungtiere
bzw. durch Einstallung freier Jungsauen als Indikatortiere in die Altsauenherde
zu überprüfen.
Die
Leptospirose gehört zu den meldepflichtigen Tierseuchen, eine
veterinärpolizeiliche Maßregelung infizierter
Bestände ist in Deutschland nicht vorgesehen. Zuchtbestände sollte jedoch
serologisch frei von Leptospiren sein, da die krankmachenden Eigenschaften
einzelner Leptospirentypen nicht sicher vorhersehbar ist.
Die
Leptospirose ist eine Zoonose. Eine vom Schwein ausgehende Infektion des
Menschen (bei Kontakt mit infiziertem Harn) und auch des Rindes ist möglich.